Unser Nervensystem ist kein statisches Gebilde, sondern ein lebendiger Prozess. Es reagiert, integriert, erinnert, schützt, öffnet – ununterbrochen.
Wie das Nervensystem Informationen verarbeitet
Jeder Reiz – ein Geräusch, ein Gedanke, ein Geruch, eine Berührung – wird über Nervenbahnen zum Gehirn geleitet. Doch bevor wir etwas bewusst wahrnehmen, passieren vorher mehrere Schritte:
- Wahrnehmung – Sensoren im Körper registrieren den Reiz.
- Bewertung – das Nervensystem prüft: sicher oder unsicher?
- Reaktion – Aktivierung (Sympathikus) oder Entspannung (Parasympathikus).
- Integration – das System kehrt zurück zur Balance, speichert Erfahrungen ab.
In der Körperarbeit begegnen wir oft alten Reaktionsmustern, die immer wieder ausgelöst werden – selbst wenn keine reale Gefahr besteht.
Die Rolle von Sympathikus und Parasympathikus im Alltag
Diese beiden Teile des autonomen Nervensystems steuern, wie wir auf die Welt reagieren.
Sympathikus – die Aktivierungskraft im Fluss
Wenn er anspringt, wirst du:
- wacher
- fokussierter
- kraftvoller
- innerlich auf „Vorwärts“ gestellt
Aber ein dauerhaft aktivierter Sympathikus führt zu Verspannungen, Schlafproblemen, Überreizung und emotionaler Erschöpfung.
Parasympathikus – die stille Kraft der Heilung
Wenn der Parasympathikus die Führung übernimmt, geschieht:
- Stoffwechsel beruhigt sich
- Muskeln lösen sich
- Herzschlag sinkt
- Sicherheit wird spürbar
- Regeneration beginnt
Viele Menschen haben Schwierigkeiten, tief in parasympathische Zustände zu sinken – hier kann Körperarbeit ihre ganze Kraft der Unterstützung entfalten.
Das Nervensystem als Erfahrungsarchiv
Unser Nervensystem speichert nicht nur Informationen, sondern auch Reaktionen.
Trauma, Stress oder alte Muster werden nicht nur im Kopf erlebt – sie zeigen sich in Muskeltonus, Atemmustern, Haltung, Körpersprache.
Die Arbeitsweise des Nervensystems lässt sich daher so beschreiben:
„Unser Körper erinnert sich auch dann, wenn unser Kopf längst vergessen hat.“
Ganzheitliche Körperarbeit schafft Räume, in denen diese Muster sich lösen können.
Regulation – die wahre Aufgabe des Nervensystems
Ein ausgeglichenes Nervensystem bedeutet nicht, immer entspannt zu sein – sondern adaptiv, resilient zu sein:
- Aktiv, wenn Aktivierung gebraucht wird
- Ruhig, wenn Ruhe möglich ist
- Verbunden, wenn Bindung entsteht
- Wachsam, wenn Schutz nötig ist
Sympathikus und Parasympathikus sind nicht gut oder schlecht – sie sind Partner.
Unsere Aufgabe ist es, ihr Zusammenspiel wieder spürbar zu machen und zu unterstützen.