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Iliopsoas

Iliopsoas

Der Iliopsoas – Tiefe Verbindung zwischen Bewegung, Schutz und innerem Halt

Der Iliopsoas liegt tief in uns verborgen, arbeitet leise und beeinflusst doch nahezu jede Bewegung, jede Haltung und oft auch das innere Erleben.

Physiologie & Anatomie – ein Muskelkomplex mit zentraler Funktion

Der Iliopsoas besteht aus zwei Muskeln:
dem Psoas major, der an der Vorderseite der Lendenwirbelsäule entspringt, und dem Iliacus, der die Innenseite des Beckens auskleidet. Gemeinsam setzen sie am Oberschenkelknochen an.

Funktionell ist der Iliopsoas:

  • der stärkste Hüftbeuger des Körpers
  • ein wichtiger Stabilisator der Lendenwirbelsäule
  • maßgeblich beteiligt an Gehen, Aufrichten, Drehen und Sitzen
  • eine direkte Verbindung zwischen Rumpf und Beinen

Er arbeitet ständig – im Stehen, im Liegen, sogar im ruhigen Sitzen.

Bewegung & Haltung

In einem ausgeglichenen Zustand unterstützt der Iliopsoas mühelose Bewegung. Das Becken kann frei kippen, die Wirbelsäule bleibt aufgerichtet, Schritte fühlen sich fließend an.

Ist der Muskel jedoch chronisch angespannt oder in Schutzspannung gehalten, zeigen sich häufig:

  • eingeschränkte Hüftstreckung
  • vermehrtes Hohlkreuz oder Instabilität im unteren Rücken
  • diffuse Rückenschmerzen ohne klare Ursache
  • kompensatorische Belastungen in Knien und Füßen
  • schnelle Ermüdung beim Stehen oder Gehen

Die Haltung wirkt dann oft „gehalten“ statt getragen.

Der Iliopsoas & das Nervensystem – Nähe zur Schutzreaktion

Der Iliopsoas liegt in unmittelbarer Nähe zu großen Nervenbahnen und dem vegetativen Nervensystem. Er reagiert sensibel auf innere Alarmzustände. In Stress- oder Bedrohungssituationen spannt er sich reflexhaft an, um den Körper auf Flucht oder Schutz vorzubereiten.

Wenn diese Spannung nicht vollständig abklingen kann, bleibt der Muskel unbewusst aktiv – auch in Ruhe. Der Körper bleibt innerlich wachsam, selbst wenn keine Gefahr mehr besteht.

Das zeigt sich nicht nur körperlich, sondern oft auch durch:

  • flachen Atem
  • innere Unruhe
  • Schwierigkeiten, sich vollständig zu entspannen
  • ein Gefühl von mangelndem Halt oder Sicherheit im eigenen Körper

Zwischen Erdung und Rückzug

Energetisch liegt der Iliopsoas im Bereich des unteren Rumpfes, nahe dem Zentrum von Stabilität, Erdung und Urvertrauen. Er verbindet die Beine – unsere Basis – mit der Wirbelsäule – unserer Aufrichtung.

Ein regulierter Iliopsoas vermittelt:

  • innere Standfestigkeit
  • das Gefühl, getragen zu sein
  • die Fähigkeit, präsent zu bleiben

Ein dauerhaft gespannter Iliopsoas kann hingegen mit Rückzug, Vorsicht oder innerem Zusammenziehen einhergehen. Nicht als Fehler, sondern als Ausdruck eines Systems, das gelernt hat, sich zu schützen.

Körperarbeit mit dem Iliopsoas – weniger Tun, mehr Zuhören

Tiefe Muskeln wie der Iliopsoas reagieren selten auf Kraft oder Druck. Häufig sind es:

  • langsame, kleine Bewegungen
  • Atem, der Raum schafft
  • Zeit und ein Gefühl von Sicherheit

die Veränderung ermöglichen. Wenn der Körper bereit ist, zeigt sich Entspannung oft von selbst – manchmal begleitet von Zittern, Wärme oder einem tieferen Atem.

Der Iliopsoas ist mehr als ein Hüftbeuger. Er ist Teil eines komplexen Zusammenspiels aus Bewegung, Nervensystem und innerem Erleben.

Wenn er wieder loslassen darf, verändert sich nicht nur die Statik des Körpers. Auch das Gefühl, im eigenen Leben Halt zu finden, kann sich neu ordnen – leise, tief und nachhaltig.