Burnout – wenn der Körper laut spricht damit wir endlich zuhören

Als Körpertherapeut begegne ich Burnout nicht zuerst in Worten, sondern im Gewebe. In Muskeln, die sich einfach nur noch fest anfühlen. In Atemzügen, die nur noch im oberen Brustkorb hängen bleiben. In Körpern, die so sehr im „Funktionieren“ gefangen sind, dass sie ihre eigenen Grenzen nicht mehr spüren.

Burnout beginnt selten im Kopf. Es beginnt dort, wo wir unsere Bedürfnisse, Pausen und Emotionen übergehen. Der Körper hält das eine Zeit lang aus – erstaunlich lange sogar – doch irgendwann wird er zum Sprachrohr, das wir nicht mehr ignorieren können.

Burnout ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Zeichen, dass der Körper uns schützt

Viele Menschen erzählen mir, sie fühlten sich „leer“, „taub“ oder „ständig angespannt“. Manche haben das Gefühl, jeden Morgen einen unsichtbaren Rucksack voller Steine zu schultern. Andere beschreiben, dass sie nicht mehr schlafen können, obwohl sie todmüde sind.

Was im Körper passiert, wenn wir uns im Burnout befinden:

  • Dauerstress schaltet uns in einen permanenten Alarmmodus. Muskeln bleiben angespannt, der Atem wird flach, Verdauung und Regeneration treten in den Hintergrund.
  • Der Körper schaltet Stück für Stück ab, um Energie zu sparen. Er reduziert Motivation, Konzentration, sogar Freude – nicht weil wir versagen, sondern weil wir überleben.
  • Wir verlieren den Kontakt zu unseren inneren Signalen. Hunger, Müdigkeit, Sehnsucht, Grenzen – alles wird leiser, während die Anforderungen lauter werden.

Körperlich gesehen ist Burnout also kein psychisches „Problem“, sondern ein Regulationsversuch. Der Körper versucht, uns vor einem noch größeren Schaden zu bewahren.

Wie der Körper uns den Weg zurück zeigt

In der Körpertherapie arbeiten wir nicht gegen den Stress, sondern mit dem Körper, der schon längst versucht, uns auf etwas hinzuweisen. Oft geht es weniger darum, „wieder zu funktionieren“, als vielmehr darum, wieder in sich zu wohnen.

Was ich in Behandlungen häufig sehe:

  1. Der Atem ist der erste Zugang. Ein freier, tiefer Atem kann mehr verändern als viele glauben. Er signalisiert dem Nervensystem: „Du bist sicher.“ Das ist die Grundlage jeder Erholung.
  2. Berührung weckt das Körpergefühl. Viele Burnout-Betroffene haben den Kontakt zu ihrem Körper verloren. Durch achtsame Körperarbeit beginnt der Mensch wieder zu spüren: Wo bin ich angespannt? Wo halte ich mich zurück?
  3. Der Körper zeigt Grenzen klarer als der Kopf. Wenn du "nur ganz kurz" nichts halten musst. Ist das oft der Moment, wo wir erst realisieren, wie erschöpft wir wirklich sind. Meistens, schon länger als uns vorher bewusst war.
  4. Bewegung holt uns zurück ins Leben. Sanfte, organische Bewegung – keine Leistung, kein Training – hilft dem Körper, Stress abzubauen und wieder in den Fluss zu kommen.

Warum Burnout nicht „schnell lösbar“ ist – und warum das gut ist

Burnout ist keine Störung, die man wegtherapieren kann. Er ist ein Prozess. Und dieser Prozess hat uns etwas zu sagen:

  • Wo übernehme ich Verantwortung, die mir nicht gehört?
  • Wo übergehe ich meine Bedürfnisse?
  • Welche Erwartungen versuche ich zu erfüllen – und warum?
  • Welche Rolle spiele ich, die mich zu viel kostet?

Die Heilung entsteht, wenn wir diese Fragen nicht theoretisch beantworten, sondern körperlich begreifen. Denn der Körper lügt nicht.

Die vielleicht wichtigste Botschaft: Du musst nicht alleine da raus

Burnout isoliert. Man fühlt sich, als wäre man der einzige Mensch, der es „nicht mehr schafft“. Aber gerade der Weg aus dem Burnout braucht Kontakt – zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu therapeutischer Begleitung.

Der Körper weiß den Weg zurück.
Unsere Aufgabe ist es, wieder zuhören zu lernen.